Thorsten Schlaak & Manfred Schwarz
Organisationen stehen vor dem Reset.
Wie radikal das gemacht werden muss, also wie sehr von der Wurzel her gedacht werden muss, das kann untersucht werden und zwar systemisch.
Nicht unbedingt systematisch.
Aber was macht eigentlich den Unterschied aus und wie lässt sich der einfach erklären?
Dazu hier ein Beitrag:
Alles gleich irgendwie – oder?
Die Szene spielte sich in der Warm-up-Runde eines unserer Workshops zum Thema »Systemisch führen« ab. Eine junge Teilnehmerin, Ende 20, promovierte Wirtschaftspsychologin: »Ich beschäftige mich auch gerade mit dem Thema ›Systematische Konzepte der Unternehmenskultur‹. Der Tag heute hier passt also optimal für mich. Ich freue mich darauf.«
Rückfrage des Moderators: »Meinen Sie systemisch?«
»Ja, genau, sagte ich doch.«
»Ich hatte systematisch verstanden.«
»Ja, genau.«
»Die beiden Worte unterscheiden sich aber schon – und auch dafür, wofür sie stehen.«
»Wie meinen Sie das?«
»Na: systemisch und system-at-isch. Beim einen gehört ein ›at‹ mit dazu.«
»Ach so, und das heißt?«
Wir erleben oft, dass die beiden Denkweisen systemisch und systematisch verwechselt werden – auch von gestandenen Führungskräften. Der kleine Unterschied – das »at« mittendrin – wird unglücklicherweise oft übersehen. Vielleicht haben Sie das ja auch schon einmal erlebt? Oder glauben Sie auch, die Unterscheidung sei nicht notwendig? Dann bitten wir zu einem kleinen Schnelltest zwischendurch:
Was ist hier systematisch, was systemisch?
– Wir arbeiten einem System folgend.
– Wir betrachten die Dinge als System.
– Der Kommissar durchsucht die Wohnung eines Verdächtigen mit System.
– Ich handle planmäßig und konsequent.
– Es gibt ein Entweder-oder.
– Es gibt ein Sowohl-als-auch.
– Ich ordne Pflanzen- – oder Tierarten nach bestimmten Ordnungskriterien.
– Mein Denken setzt auf die Wechselwirkungen aller Systemteile untereinander.
– Wir sehen die Ursachen für Probleme nicht bei den Teilen, sondern im Zustand des Systems.
Hintergrund
Von »systematisch« sprechen wir dann, wenn wir einem System folgen, nach einem System vorgehen, wenn wir also planmäßig und konsequent handeln. Ein Beispiel ist der systematische Katalog, der Pflanzen- oder Tierarten nach bestimmten Ordnungskriterien auflistet. Oder: Ermittler haben die Wohnung eines Verdächtigen systematisch durchsucht.
Von einer systemischen Betrachtungsweise sprechen wir, wenn wir die Dinge als System betrachten. Wenn wir also einzelne Teile im Zusammenhang mit dem größeren Ganzen sehen, dem sie angehören. Und wenn wir die Ursachen für Probleme nicht bei den Teilen, sondern im Zustand des Systems sehen.
Das Mobile
Eine populäre Metapher für das systemische Denken ist das Mobile: Wenn man hier ein neues Teil hinzufügt, die Position eines Elements verändert oder auch das ganze Mobile anstößt, hat dies gleichzeitig Auswirkungen sowohl auf das Mobile als Ganzes als auch auf die einzelnen Elemente.
Im Gegensatz dazu wird beim systematischen Denken – kombiniert mit einem analytischen Vorgehen – das Verhalten des Einzelnen analysiert: Oft geht es dann darum, Stärken, aber auch Defizite aufzuspüren. Innerhalb einer Gruppe kann der Einzelne z. B. für sich lernen oder Dinge verstehen. Doch die systemischen Wechselwirkungskräfte, die ihn in eine Rolle oder ein Verhalten bringen, werden dabei außer Acht gelassen. Der systemische Ansatz hingegen ist ein Ansatz der Wechselwirkungen.
Das systemische Denken weitet den Blick:
Sie sehen, das systemische Denken setzt eindeutig auf die Wechselwirkungen aller Systemteile untereinander und ist wesentlich dynamikbewusster und ganzheitlicher.
Übrigens: Das eingangs zitierte systemische Buch heißt »Einführung in systemische Konzepte der Unternehmenskultur« (Grubendorfer, 2016).
Quelle: Dieser Abschnitt ist entnommen aus:
„50 systemische Demonstrationen„